Atelier aus Schweiz nach Sachsen verlegt

Atelier aus Schweiz nach Sachsen verlegt

Agnieszka Balut baut alte Schule in Ruppertsgrün um und zeigt dort erstmals einen Querschnitt ihres künstlerischen Schaffens.


erschienen am 27.07.2015

Ruppertsgrün. Die meisten Gäste, die am Samstagnachmittag zur Eröffnung der Personalausstellung von Agnieszka Balut gekommen waren, wussten nicht so recht, was sie mehr bestaunen sollten: die Werke der 50-Jährigen oder die neu gestalteten Räume in dem mehr als 100 Jahre alten Gebäude. In denen erinnerte nichts mehr daran, was es einmal war: eine Schule. Selbst der Geruch von Bohnerwachs, der bis zur Schließung der Einrichtung Jahrzehnte durch das Treppenhaus zog, war verschwunden. Die Wände der ehemaligen Klassenzimmer im Erdgeschoss erstrahlten in leuchtendem Weiß, der neue Laminatfußboden in hellem Grau. "Das habe ich alles in den zurückliegenden Wochen selber gemacht. Und auch die Wände trockengelegt", sagt die gerade mal 1,60 Meter große Powerfrau am Rande der Ausstellung.
Die gebürtige Polin hat das seit Juli 2009 leerstehende Gebäude im Herbst 2013 von der Gemeinde gekauft. Vor ein paar Wochen hat sie ihren Wohnsitz von Lugano in der Schweiz nach Ruppertsgrün verlegt. "Das ist nun mein Zuhause. Jetzt bin ich nach vielen Jahren, die ich in der Welt unterwegs war, angekommen", sagt die Künstlerin. Die Tochter eines Anwaltes und einer Zahnärztin, die in Warschau Journalistik studiert hat und fünf Jahre beim polnischen Fernsehen tätig war, machte danach ihre Hobby zum Beruf: Malerin und Fotografin. Über die Stationen Baden-Württemberg, Brasilien, Schweiz und Italien führte sie der Weg nach Ruppertsgrün, einem gerade mal 1330 Einwohner zählenden Dorf in Sachsen.
All die Geschichten spielten zur Eröffnung der Ausstellung am Samstag nur eine untergeordnete Rolle. "Ich möchte, dass die Menschen meine Kunst kennenlernen und sich daran erfreuen", sagte Agnieszka Balut zur Eröffnung. Dabei stand die eigentliche Hauptperson eher im Schatten. Eine Vernissage, bei der irgendjemand eine Ansprache hält und das bisherige Schaffen der Künstlerin Revue passieren lässt, gab es nicht. Dafür ist Agnieszka Balut in den hiesigen Künstlerkreisen noch zu unbekannt.
Agnieszka Balut fotografiert keine Landschaftsbilder, sondern lässt in ihren Bildern Räume entstehen, in denen sich die Natur, Architektur und Menschen miteinander verbinden. Auf den ersten Blick scheint die räumliche Situation klar zu sein, doch bei näherer Betrachtung löst sie sich auf. Eine Kunstform, die zur Diskussion und zum Nachdenken anregen soll. Genau das ist ihre Absicht.
Die Ausstellung ist noch bis Donnerstag zu sehen und hat täglich von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Die alte Schule befindet sich in Ruppertsgrün an der St.-Annen-Straße zwischen Kirche und Feuerwehr.